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Herzlich willkommen auf den Seiten der Pfarrei Heilige Edith Stein

Fake News oder Faktencheck?

Fensterbild Apostel Thomas als Zweifler mit Jesus und mehreren Aposteln

Na, das hat doch mal eingeschlagen wie eine Bombe: verstörende Osterbotschaften sind wir Christen ja eigentlich gewohnt – verstörend vor 2000 Jahren, verstörend heute immer noch – (aber nicht zer-störend im Gegensatz zu heutigen Botschaften). Und nicht nur verstörend, sondern irgendwie auch unglaublich.

Da wird einer zu Tode gefoltert und gekreuzigt, und drei Tage später ist er wieder da. Die meisten der Apostel haben ihn gesehen, den Gekreuzigten und wieder Auferstandenen. Er ist zu ihnen gekommen und hat sogar seine Wundmale gezeigt.

Wen wundert es, wenn Thomas, der nicht dabei gewesen ist, bei dieser Nachricht „fake news“ wittert. Er kann nicht glauben, was ihm seine Freunde berichten; diese „News“ übersteigen seinen Verstand. Und ganz ehrlich: ich kann ihn verstehen. Auch wenn seine Freunde versuchen, ihn zu überzeugen – von den Toten, da ist bisher noch niemand zurückgekommen. Fake news! Ganz bestimmt!

Wenn ich mir heutzutage Nachrichten besonders von bestimmten Politikern/von einem bestimmten Politiker z. B. aus den USA (Assoziationen sind willkommen) anschaue, dann weiß ich auch nicht mehr, was ich noch glauben soll. Verdrehte Wahrheiten werden uns als Tatsachen verkauft, Tatsachen werden, wenn sie Herrn Trump zu unbequem sind, als Fake News verschrieen. KI-generierte Videos in den sozialen Medien sind von realen Videos für meine Laienaugen so gut wie nicht zu unterscheiden, und ich muss schon nach realen Quellen suchen, um Wahrheit von Fiktion zu unterscheiden. Warum man solche Videos als echt ins Netz stellt, erschließt sich mir nicht – Unterhaltung vielleicht wäre noch einer der harmloseren Gründe. Verunsicherung, Zerstörung von Glaubwürdigkeit selbst der (hoffentlich) seriösen Presse und der Verlust von Vertrauen in Informationen/Nachrichten wiegen da schon schwerer.

Hauptsache, wir glauben dem, der am lautesten poltert und gegen die fake-news der unglaubwürdigen Presse wettert. Faktencheck? Unnötig! Denn die Wahrheit kommt eh nicht ans Licht. Und wenn, dann spielt es  keine Rolle. Wer Zweifel äußert, wird angegriffen, vernannt, verleumdet, in der Öffentlichkeit lächerlich gemacht und die Angst regiert. So oder so: „Trust me“ – „Vertrau mir!“, sagte die Schlange schon zu Eva …

Da geht es Thomas doch besser. Denn Jesus hat Angriff, Verteidigung, verbale Aggressionen und so vieles mehr, an das man sich heutzutage beinahe schon gewöhnt hat, nicht nötig. Der wirklich Mächtige braucht keine Fake-News!

Denn seine Botschaft ist real und über alle Zweifel erhaben. Und dennoch nimmt Jesus Thomas‘ Unglauben ernst. Er stellt sich dem Faktencheck, lässt sich von Thomas an seinen empfindlichen und bestimmt auch schmerzhaften Wundmalen berühren. Damit dieser glauben kann! Denn Jesus weiß: Be-greifen kommt von greifen. Manchmal braucht es die körperliche Rückversicherung, das Sehen mit eigenen Augen, das Anfassen, das Fühlen: Ja, dieser Jesus ist wirklich wieder da. Jesus hat dem schlimmsten, was einem passieren konnte, getrotzt. Sich körperlichen und seelischen Qualen gestellt, anstatt selbst anzugreifen. Er hat sich selbst zum Opfer gemacht, anstatt andere zu opfern, er hat sich selbst bloßstellen lassen, anstatt andere auszulachen und zu beleidigen, er hat Liebe gesät anstatt Hass, um dann wiederzukommen und zu zeigen (und nicht nur davon zu sprechen): ich habe gesiegt! Der Tod ist nichts gegen Gottes Macht und seine Liebe. Habt keine Angst!

Nein, die Osterbotschaft ist ganz bestimmt keine Fake-News. Sondern wirklich und wahrhaftig!

Daniela Standard