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Herzlich willkommen auf den Seiten der Pfarrei Heilige Edith Stein

Nur ein paar Tücher - Ostergedanken

Frauen am leeren Grab - russische Ikone (17. Jahrhundert)

Es war nur ein Detail – aber der Gedanke begleitet mich seit der Predigt von Pater Justin am „Passions-Sonntag“. Eigentlich geht’s dabei nur um ein paar Stücke Stoff.
Zweimal berichtet das Evangelium am Ostersonntag von den Leinen-Tüchern oder –Binden, in die sie den toten Jesus beim Begräbnis eingewickelt hatten. Jetzt liegen sie offenbar ordentlich zusammengefaltet oder eingerollt da in der Grab-Nische. Petrus sieht sie zuerst; der hatte zwar den Wettlauf zum Grab verloren, aber der „Lieblingsjünger“ lässt ihm ja den Vortritt. Und als Johannes dann selbst nachschaut, entdeckt er noch ein Detail: Das Gesichtstuch liegt extra zusammengebunden neben den anderen Verbänden. Nur ein bisschen Stoff, wie gesagt. Aber doch wichtig.
Am fünften Fastensonntag hat das Evangelium ja berichtet, dass Jesus seinen verstorbenen Freund Lazarus aus dem Grab herausruft. Und dann steht der da erst mal noch ein bisschen wie ein Gespenst herum: der ganze Körper eingebunden in diese Wickeltücher und das Gesicht mit dem Schweißtuch bedeckt. „Löst ihm die Binden“, sagt Jesus, „und lasst ihn weggehen.“ P. Justin hat darauf hingewiesen, dass da sozusagen Entwicklungshilfe stattfindet, schon im Johannes-Evangelium. Und dass dabei zugleich auch sichtbar wird, dass die Auferweckung, die Wiederbelebung der Toten mehr braucht als „nur“ ein Wunder: Andere Menschen müssen mithelfen; sie müssen den Auferweckten befreien von den stofflichen Fesseln des Todes, damit Lazarus wirklich umhergehen kann oder weggehen, wenn er will. Dass er weiter gehen kann in sein Leben – und das wird im Grunde ein Weiter-so-Leben sein, zusammen mit seinen Schwestern Maria und Marta und mit der Nachbarschaft; und wird wie jedes menschliche Leben irgendwann mit dem Tod enden.
Das ist bei Jesus radikal anders. Er braucht keine Entwicklungs-Hilfe. Der auferweckte Jesus hat eine ganz andere Kraft als ein ins Leben zurückgeholter Lazarus oder auch die Tochter des Jaïrus. Die müssen und können weiter leben, dürfen und sollen sich weiter entwickeln, mit allen Chancen und Risiken des menschlichen Lebens und weiter unterstützt von den Menschen bei ihnen.
Jesus dagegen ist „fertig“; Gott hat ihn in ein neues Leben gerufen. Er hat sich selbst befreit von den letzten Bindungen an das menschliche Leben und an seinen menschlichen Tod. Dafür, scheint mir, steht auch das Bild von den Leinenbinden, die da fein säuberlich in der Grabhöhle liegen. Die machen klar: Gottes liebevolle Macht hat den Tod endgültig abgeräumt – jedenfalls für den Einen, den wir seither den Christus nennen. Gott hat ihn mit wirklichem Leben und mit göttlicher Kraft gesalbt – da braucht es keine Stofftücher mehr wie vorher; die hatten ja nur die Leichensalben am toten Körper fixiert. Jetzt sind sie abgewickelt, beiseitegelegt, aber ordentlich und gut sichtbar. Sie sind noch wichtig – als Bild für das Neue Leben, zu dem Gott alle Menschen befreien will und auch weiterhin einlädt: zu einem Leben, das solche Bindungen und Abhängigkeiten hinter sich lassen soll, irgendwann einmal.
Das ist christliche Hoffnung und Zuversicht. Und solange es noch Zukunft ist, wird es wichtig bleiben, dass Christenmenschen weiter Entwicklungs-Hilfe leisten: gegenseitig, in Familie und Nachbarschaft und in der weiteren Umgebung von Stadt und Land; und auch im weltweiten Maßstab. Ent-wickelt ihn / sie – und lasst sie ihre eigenen Wege gehen!
Nur ein bisschen Stoff? Vielleicht nur ein kleines Zeichen für die große Hoffnung für Dich und mich persönlich und für die Menschen und die Welt: Dass das Leben am Ende eben doch stärker ist als der Tod!

Christus ist auferstanden – er ist wirklich auferstanden. Halleluja!

altfried g.rempe